Irrfahrt durch den Berliner Schilderwald

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Irrfahrt durch den Berliner Schilderwald

Beitragvon Frosty » Mo 23. Feb 2004, 13:41

Irrfahrt durch den Berliner Schilderwald

Flut der Verkehrszeichen sorgt für Verwirrung bei Autofahrern

"Darf ich hier parken?" Das müssen sich Autofahrer in Berlin häufig fragen. Die Antwort darauf versteckt sich oft hinter einem Ensemble von Verkehrszeichen am Straßenrand. Zum Beispiel an der Karl-Liebknecht-Straße in Mitte, wo gleich sieben Schilder an einem Pfahl hängen. Wer auf dem Fürstenwalder Damm von Rahnsdorf nach Friedrichshagen fährt, darf 27 Halte- und Parkverbotsschilder bewundern. In der nicht mal einen Kilometer langen Bulgarischen Straße (Treptow) wird man zehnmal auf Halteverbote hingewiesen. Einmal die Puschkinallee am Treptower Park entlang fahren und Halteverbotsschilder zählen: 30 säumen die 1,6 Kilometer lange Einbahnstraße, die keine Nebenstraßen hat. Ein Anschlag auf die Ästhetik ist auch die Kombination von drei Verbotshinweisen an einem Pfeiler in der Siemensstraße. Sie zeigen in verschiedene Richtungen und werden dann noch mit Zusatzschildern zeitlich eingegrenzt. Dort ist nicht nach dem Grundsatz verfahren worden, Schilder nur dort anzuordnen, wo es notwendig ist.

Wie viele Verkehrschilder genau an Berlins Straßen stehen, weiß man weder beim ADAC noch in der Senatsverkehrsverwaltung. Doch dürften es mehr als 250 000 sein. Dabei dürfen gemäß Straßenverkehrsordnung Verkehrszeichen nur dort stehen, "wo dies auf Grund der besonderen Umstände zwingend geboten ist". Und die dazugehörige Verwaltungsvorschrift fordert, "so wenig Verkehrszeichen wie möglich anzuordnen. Die Wahrnehmbarkeit darf nicht durch Häufung von Verkehrszeichen beeinträchtigt werden." Die Praxis sieht anders aus.
...
Wie viele Schilder in Berlin den Verkehr regeln, kann auch Petra Reetz, Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung, nicht sagen. Aber sie sagt mit Bestimmtheit: "Jedes Schild hat einen Grund." Jörg Becker verweist auf erfolgreiche Aktionen des ADAC gegen den Schilderwald in Jüterbog, Guben und Brandenburg. In Absprache mit Polizei und Stadtverwaltung habe man 1999 und 2000 probeweise Schilder verhängt, die als überflüssig eingeschätzt wurden. Es sei dadurch weder zu mehr Unfällen noch zu sonstigen Verstößen gekommen. "Daraufhin wurden zehn bis 15 Prozent der Schilder in den drei Städten abgebaut", sagt Becker. Einsparungen von einer Viertelmillion Euro seien die Folge gewesen. Petra Reetz sieht das anders: "Die Aktion ist zu riskant." Auch Regina Riemschneider ist nicht für das Experiment der Schilder-Verhüllung. "Die Situation in Berlin ist viel schwieriger als in den brandenburgischen Städten."

Im Herbst sei aber mit einer Novelle der Straßenverkehrsordnung zu rechnen, die weniger Verkehrszeichen und bessere Beschilderung mit sich bringen werde.

Quelle: Berliner Morgenpost
Ich gehe mal auf einige Punkte ein:
    Zitat von Petra Reetz: "Jedes Schild hat einen Grund."
Und sei es, daß der Grund war, ein Schild aufzustellen. ;) Die oben aufgeführten Beispiele zeigen, daß sie sich irrt. Besonders die Flut an Park- und Halteverbotsschildern ist ein ernsthaftes Problem in Berlin. Sie geben oftmals mehr Rätsel auf, als daß sie Klarheit schaffen würden.
    Zitat von Petra Reetz "Die Aktion ist zu riskant."
    Zitat von Regina Riemschneider: "Die Situation in Berlin ist viel schwieriger als in den brandenburgischen Städten."
Das die Aktion nicht riskant ist, zeigen die Beispiele in Jüterbog, Guben und Brandenburg. Zudem verlangt niemand, sinnvolle Verkehrszeichen zu entfernen, sondern nur die Überflüssigen. Die Schilderflut ist inzwischen so groß, das viele Autofahrer gezwungen sind, einen Teil der Verkehrsschilder zu ignorieren, um sicher und unfallfrei durch die Stadt zu fahren. Riskanter ist es daher, diesen Schilderwald stehen zu lassen.
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Beitragvon Frosty » Mo 23. Feb 2004, 13:53

dazu paßt auch der folgende Artikel:

Die SPD-Fraktion der Bezirksverordneten-Versammlung in Treptow-Köpenick will den Schilderwald im Berliner Südosten durchforsten. Bereits 2003 hatte sie deshalb die Einwohner aufgerufen, überflüssige Schilder aufzuspüren und zu melden. Nach Auskunft von Baustadtrat Dieter Schmitz (SPD) sind daraufhin in einer ersten Phase etwa 20 Schilder abgebaut worden. Aus Sicht der SPD könnte aber etwa ein Viertel aller Verkehrsschilder im Bezirk demontiert werden. Etwa 60 Einwohner hätten seit Juni mehr als 100 Vorschläge dazu eingereicht, sagt SPD-Fraktionsvize Oliver Igel. Zahlreiche Anregungen habe die Straßenverkehrbehörde abgelehnt, einige würden noch bearbeitet. "Entfernt wurden etwa Hinweise auf Straßenschäden in sehr kurzen Sackgassen, die fast ausschließlich von Anwohnern genutzt werden", sagt Oliver Igel. Doch das Prozedere um den Abbau überflüssiger Verkehrszeichen sei langwierig. Igel hofft, dass die Entscheidungen über das Anbringen beziehungsweise Entfernen der Schilder von der Landesbehörde an die künftigen Ordnungsämter in den Bezirken übergehen. Er habe manchmal den Eindruck, die Anordnung von Schildern werde derzeit exzessiv betrieben.

Eine weitere Initiative der SPD wurde zwar von der BVV beschlossen, aber vom Senat abgelehnt: Das Pilotprojekt "Schilderarme Stadt", in dem nach brandenburgischem Vorbild ausgewählte Verkehrszeichen probeweise verhüllt werden sollten. "Wir haben von der zuständigen Staatssekretärin Maria Krautzberger die schriftliche Auskunft bekommen, dass sich unser Anliegen erübrigt, weil sich die Behörde ohnehin um eine Reduzierung der Schilder bemüht", sagt Baustadtrat Schmitz. Doch der SPD-Verordnete Igel meint: "Unser Aufruf beweist das Gegenteil." Das Land lehne eine innovative Spar-Idee ab.

Quelle: Berliner Morgenpost
... und da sage noch einer, Berlin hätte kein Geld :rolleyes:
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Beitragvon coepenicker » Mo 23. Feb 2004, 16:21

Leider baut die Stadt nur die sinnvollen Schilder ab. Vor allem die Vorfahrtsstraßenschilder, so daß man an jeder Straßenkreuzung gezwungen ist, auf den Verkehr aus den Seitenstraßen zu achten. Besonders in Wohngebieten hat sich diese Unsitte stark ausgebreitet. :mad:

Berliner

Beitragvon Berliner » Di 16. Mär 2004, 12:11

wie wäre es denn, wenn jeder der solche sinnlosen ansammlungen mal fotographiert und hier hineinstellt, um den unsinn einmal zu verdeutlichen?

Berliner

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Beitragvon Frosty » Fr 19. Mär 2004, 13:31

Berliner hat geschrieben:wie wäre es denn, wenn jeder der solche sinnlosen ansammlungen mal fotographiert und hier hineinstellt, um den unsinn einmal zu verdeutlichen?

Berliner
Gute Idee. :)
Jetzt muß sich nur noch jemand finden, der es macht.
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