Die offiziellen Ziele der neuen Verkehrsführung sind:
Punkt 1 - Verringerung der Lärmbelastung in der Altstadt
Punkt 2 - Steigerung der Attraktivität der Altstadt für Kunden, Besucher und Bewohner
Punkt 3 - verbesserte Nutzungsmöglichkeiten der Straßen für Geschäfte und Gastronomie
Punkt 4 - Erhöhung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum
Punkt 5 - Steigerung der Wohnqualität
Punkt 6 - Beibehaltung des Anlieger- und Lieferverkehrs
Punkt 7 - Verbesserung der Situation für den öffentlichen Personennahverkehr und den Fahrradverkehr
Soweit zur Theorie, aber wie wirds in der Praxis aussehen, und welche Folgen ergeben sich daraus?
Punkt 1 - Die Lärmbelästigung
Es wird natürlich in Teilen der Altstadt eine "Lärmreduzierung" geben, besonders in den Fußgängerzonen.
In den Nicht-Fußgängerzonen wird es sicher unterschiedlich aussehen. Die Gründe sind, daß die Asphaltdecke in der Straße Alt-Köpenick, in der Kietzer Straße und in der Kirchstraße wieder entfernt werden und somit das Kopfsteinplaster zurückkehrt. Das bedeutet, das ein nur leichter Rückgang des Verkehrs lediglich die negativen Auswirkungen des Kopfsteinpflasters ausgleichen würde. Bei gleichbleibend starker Nutzung hingegen, würde der durchschnittliche Lärmpegel sogar steigen. Zudem muß auch gesehen werden, das der öffentliche Nahverkehr (Bus und Straßenbahn) und die Feuerwehr als größte Lärmquelle angesehen werden. Da diese aber weiterhin die Altstadt in gewohnter Weise durchfahren werden (mit Ausnahme der Fußgängerzone im Südteil der Straße Alt-Köpenick, hier nur Schrittgeschwindigkeit) wird sich insgesamt nicht sehr viel ändern.
Wie wird es sich auf die einzelnen Straßen auswirken?
Alt-Köpenick
Im Nordteil (Dammbrücke bis Rosenstraße) wird es wohl zu keinem erheblich Rückgang der Lärmbelästigung kommen, wenn überhaupt, weil der Asphalt durch Kopfsteinpflaster ersetzt wird, weiterhin Bus und Straßenbahn in die Altstadt hineinfahren und auch der Parkplatzsuchverkehr, welcher über die Laurenz und Rosenstraße führt nicht unterschätzt werden darf. Das neue Kurzzeit-Parkplatzkonzept wird zu zusätzlichem Verkehr führen, sofern es auf Einhaltung überwacht wird. :? Im Südteil wird der Lärm stellenweise etwas zurückgehen, aber so viel wird es wohl auch nicht sein, schließlich fahren auch hier weiterhin Bus (dann über Kopfsteinpflaster) und Straßenbahn, wenn auch lediglich Schritttempo (weil Fußgängerzone). Zudem "weht" der Verkehrslärm aus dem Nordteil der Straße und von der Müggelheimer Straße natürlich auch weiterhin in diesen Teil hinien.
Kietzer Straße
Wenn sich hier überhaupt was tun wird, dann wirds eher lauter, denn die Straßenbahn fährt weiterhin im gewohnten Tempo durch die Straße, Fahrzeuge können zudem von der Jägerstraße nicht nur rechts sondern auch links in die Kietzer Straße einbiegen, um einen Parkplatz zu suchen und wie schon erwähnt, findet das alles demnächst auf Kopfsteinpflaster statt.
Kirchstraße
Hier gilt ähnliches wie in der Kietzer Straße, große Änderungen sind nicht absehbar.
Grünstraße
Die Straße ist heute schon nur leicht befahren und der Lärm der hier zu verzeichnen ist stammt zu erheblichen Anteilen aus der Kietzer Straße (Straßenbahn) und der Müggelheimer Straße. Diese Lärmquellen bleiben aber bestehen. Somit wird sich auch hier nicht viel tun.
Rosenstraße
In dieser bisher fast toten Straße, die wenig bis garnicht befahren wird, wirds demnächst deutlich mehr los sein. Hier wirds deutlich lauter werden.
Laurenzstraße
Keine nenneswerten Änderungen zu erwarten. Die Richtung dieser Einbahnstraße wird nur umgedreht. (Anm.: hier entstehen endlich normalbreite Parkplätze am Straßenrand, aber leider werden auch diese in Kurzzeit-Parkplätze umgewandelt.
Jägerstraße, Amtsstraße, Landjägerstraße, Böttcherstraße, Spindlergasse
Keine deutlichen Änderungen zu erwarten.
Freiheit und Lüdersstraße
Zwar verschwindet größtenteils der Durchgangsverkehr, aber dieser wird teilweise durch den Parkplatzsuchverkehr ersetzt. Die Straße Freiheit ist zukünftig in beide Richtungen befahrbar mit Parkmöglichkeiten auf beiden Straßenseiten. Beide Straßen liegen dann in einer Tempo-10 Zone. Der Lärmrückgang wird daher größtenteils auf die niedrigere Geschwindigkeitsbeschränkung zurückzuführen sein.
Katzengraben und Futranplatz
Diese bisher kaum befahrenen Straßen werden demnächst von Parkplatzsuchenden vermehrt befahren werden. Der Verkehr wird zunehmen. Der Lärm wird aber eher nicht zunehmen, weil der Lärm auf der Lüdersstraße etwas zurückgehen wird.
Wo ist der teilweise weggefallene Verkehr hin?
Weg ist er natürlich nicht. Er wird nur in andere jetzt schon stark belastete Straßen umgeleitet. Wer bisher durch die Altstadt gefahren ist, wird zukünftig auf die Wendenschloßstraße und die Friedrichshagener Straße ausweichen müssen. Noch mehr Verkehr, noch mehr Stau, noch mehr Lärmbelästigung und leicht chaotische Zustände wie bisher in der Altstadt werden dann dort die Regel sein.
Punkt 2 - Steigerung der Attraktivität der Altstadt für Kunden, Besucher und Bewohner
Das Hauptproblem - Die Parkplätze
Mehr Parkplätze wird es nicht geben, schlimmer noch, die verbliebenen bisher kostenlosen Parkplätze werden in Kurzzeitparkplätze (2 Stunden) umgewandelt. Das Bezirksamt behauptet zwar, daß die Anzahl von derzeit 240 auf 264 Plätze erhöht wird, aber ich vermute mal, das in der Erhöhung die Parkplätze am Alten Markt enthalten sind, die uns erst vor einigen Monaten weggenommen wurden sowie die zusätzlichen Parkplätze in der Freiheit einberechnet wurden, welche auch schon heute theoretisch nutzbar wären. Praktisch bleibt die Anzahl daher konstant.
Besonders wird dies die Anwohner treffen, weil es keine kostenlosen Dauerparkplätze mehr geben wird. Diese sind zukünftig auf die inzwischen bewirtschafteten Parkplätze angewiesen, für die sie Tag für Tag, Monat für Monat zusätzlich zahlen müssen.
Genauso ergeht es den Beschäftigten in der Altstadt. Wenn sie nicht vor haben, ihr Auto alle 2 Stunden zu bewegen, werden auch diese gezwungen sein, für ihren Parkplatz Geld zu bezahlen. Da es im näheren Umfeld um die Altstadt keine nennenswerten Parkmöglichkeiten gibt wird es für einige ziemlich bitter werden. Entweder Geld für etwas bezahlen, was bisher umsonst war oder Fußwege zu weit entfernten Parkplätzen in Kauf nehmen, welche aber zumeist auch voll sind.
Auch für die Besucher wird es nicht wirklich besser. Zwar steigt der Kurzzeitparkplatzanteil, aber was nützt einem daß, wenn man mehr als 2 Stunden in der Altstadt und deren Umgebung verbringen will. Letztlich müssen auch Sie auf die bewirtschafteten Parkplätze ausweichen und dafür bezahlen.
Steigt die Attraktivität der Altstadt durch das neue Verkehrskonzept?
Das Bezirksamt meint: Ja. Ich aber sage:
Nein!
Attraktivität hat mit Attraktionen zu tun und eine lediglich völlig veränderte und eher noch chaotischere Verkehrsführung lockt sicher keine Kunden an. Der Verkehr wird im Großen und Ganzen nur im Südteil der Straße Alt-Köpenick auf ein Minimum reduziert. In den anderen Teilen der Altstadt wird sich dagegen nur wenig verändern.
Der Altstadt können nur echte Atraktionen wie das Schloß auf die Füße helfen. Ich frage mich aber, ob das Schloß wirklich soviele Besucher anziehen wird, wie sich viele offiziell versprechen.
Fußgängerzonen hin, größtenteils wegfallender Durchgangsverkehr her, was verleitet mich dazu, die Altstadt zu besuchen, sei es als Anwohner aus der näheren Umgebung oder als Besucher?
Antwort: Es ist eine intakte, schon vorher "lebende" Altstadt mit einem guten Mix aus Gastronomie und auf die Masse der Kundschaft angepaßten Geschäfte. Sie muß gut erreichbar sein und ich muß anschließend in alle Richtungen problemlos wegkommen können.
Aber wie siehts heute aus? Die Altstadt liegt derzeit am Boden. Ganz tot ist sie nicht, aber viel fehlt nicht mehr. Die Besucherströme aus Vorwendezeiten sind längst verschwunden. Es gibt zwar ausreichend Gastronomie aber schon bei den Geschäften sieht es düster aus. Der Leerstand nimmt eher weiter zu als ab. Die Anzahl der Banken nimmt ab, nachdem sie merkten, das sich dieser Standort nicht rentiert und nachdem sie das Mietniveau versaut (in die Höhe getrieben) hatten. Bei den Außenstellen der Krankenversicherungen siehts ähnlich aus. Die Läden die jetzt hin und wieder mal kommen sind oft nur kleine Kunstläden oder mal eine "Galerie" oder was in der Art. Man fragt sich nur, wer in diese Läden wirklich hineingeht und wie sich solche Läden überhaupt über Wasser halten können. Ohne Mietbefreiungen- oder Senkungen in der Anfangszeit und zusätzliche Subventionen wie Existenzgründerhilfen, Ich-AG und Co. würden wohl selbst diese nicht kommen. Es ist daher auch kein Wunder, das diese nach kurzer Zeit wieder dicht machen, weil in der Altstadt einfach kein Geld zu verdienen ist. Die Kosten sind hoch (Mieten) die Kundschaft bleibt aus, weil die Altsatdt tot ist, der Laden macht dicht. Eine Teufelskreis. Das einzige was es hier mal als genug gibt, sind Friseure und Apotheken.
Punkt 3 - Verbesserte Nutzungsmöglichkeiten der Straßen für Geschäfte und Gastronomie
Es müssen wieder sinnvolle Geschäfte, abgestimmt auf die Kundschaft (Besucher, Anwohner), in die Altstadt zurückkommen. Vorher bringt das garnichts.
Punkt 4 - Erhöhung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum
Das wird zumindest teilweise auf die Fußgängerzonen zutreffen aber was will ich in einer weiterhin fast toten Altstadt?
Punkt 5 - Steigerung der Wohnqualität
Wenn man alle vermutlichen Auswirkungen betrachtet, wird sich für die Masse der Bewohner der Altstadt nicht viel ändern. Einige habens etwas ruhiger, andere dafür etwas lauter. Die einen haben dann weniger Verkehr vor der Haustür, die anderen mehr. Und so weiter. Positiv ist die Fußgängerzone aber dafür verschlechtert sich die Parkplatzsituation und es sind teilweise leicht Umwege nötig. Und eine Belebung wird durch das Verkehrskonzept auch nicht eintreten. Zudem muß gesehen werden, daß die Wohnqualität der Anwohner der Wendenschloßstraße und der Friedrichshagener Straße durch das erhöhte Verkehrsaufkommen gesenkt wird.
Punkt 6 - Beibehaltung des Anlieger- und Lieferverkehrs
Auf Druck der Anwohner und Gewerbetreibenden wurde wenigstens diese Forderung größtenteils berücksichtigt. Anwohner dürfen ebenso wie der Lieferverkehr die Fußgängerzonen befahren. (der Lieferverkehr aber nur von 19.00 Uhr bis 11.00 Uhr)
Punkt 7 - Verbesserung der Situation für den öffentlichen Personennahverkehr und den Fahrradverkehr
Was ändert sich denn im positiven Sinne für den öffentlichen Nahverkehr? Gut, die Straßenbahn wird weniger häufig im Verkehrsgewühle stecken bleiben, weil mal wieder ein paar Deppen die Straßenbahngleise blockickieren. Aber das wars auch schon. Für den Fahrradverkehr sehe ich auch keine Besserungen, eher das Gegenteil. Zukünftig fährt man nicht mehr auf Asphalt (Kietzer Straße, Kirchstraße, Alt-Köpenick) sondern auf Pflastersteinen und muß die Straße mit den Fußgängern teilen.