Anti-Raubkopiererfilm im Kino und so weiter...

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Frosty
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Anti-Raubkopiererfilm im Kino und so weiter...

Beitragvon Frosty » Mo 13. Sep 2004, 15:41

Die bösen, bösen Räuber

Ich war am Wochenende mal wieder im Kino um mir diesmal "Keine halben Sachen 2" anzusehen. Nebenbei bemerkt ein 1A Filmchen. :zustimm: :D Besser noch als der erste Teil.

Und da kam dann wiedermal dieser geistlose Kurzfilm der Filmindustrie, der die Kinobesucher davon abhalten soll, ihren Kinobesuch in voller Filmlänge auf Video festzuhalten.

Ich weiß nicht, ob sich die Produzenten dieses Films im klaren sind, was sie da für einen Schund haben produzieren lassen. Es fängt schon damit an, daß überhaupt nicht klar ist, um was es eigentlich geht. Da wird ein kleines trauriges Mädchen gezeigt und man denkt sich erstmal hier gehts um eine Anti-Kindesmißbrauchs-Kampagne. Von daher erinnert die Machart des Films im Nachhinein an die abartige Benetton-Werbung vergangener Zeiten. Das Kind faselt dann was davon, das sie ihren Papa in den Knast gesteckt haben und jetzt erst rücken sie damit raus, daß hier die bösen, bösen Raubkopierer in Angst und Schrecken versetzt werden sollen. Jetzt faselt eine männliche Stimme irgendwas von 5 jahren Gefängnis oder so und das der Filmindustrie zig Millionen wegen die Raubkopierer durch die Lappen gehen würden und zudem Arbeitsplätze gefährdet wären. Naja, die übliche Propaganda eben. So hundertprozentig habe ich das zum Schluß nicht mehr mitbekommen, da ich innerlich so am grinsen war und auch ringsrum ironische Kommentare zu diesem Blödsinn abgegeben wurden, so daß die Konzentration auf die Botschaften ein wenig unterging.

Ich frage mich, wie oft sie sich mit diesen Aussagen noch lächerlich machen wollen. Die 5 (?) Jahre sind ein Witz. Mir ist bis zum heutigen Tage kein einizger Fall bekannt, wo in Deutschland jemand wegen unerlaubten Abfilmens verknackt wurde. Wie soll daß auch gehen frage ich mich. In dem Moment, in dem ich den Film abkopiert habe und das Kino verlassen will, ist der Filmindustrie noch nicht ein einizger Cent Schaden entstanden. Schaden würde erst entstehen, wenn der Film vervielfältige und verteilt wurde und der Absatz eindeutig und nachweisbar in Folge dessen eingebrochen wäre. Wäre es anders, dann müßte man mich auch im Supermakt in Handschellen abführen, weil ich ein Buttermesser gekauft habe und damit womöglich irgendwelchen Unsinn veranstaltet hätte. Das wär dann sowas wie Minority Report mit einem Generalverdacht statt irgendwelchen Beweisen. Zumal die Beweisführung der Anklage vor Gericht dann wohl nur mit einer magischen Zauberkugel hantieren könnte, da verläßliche Zahlen kaum verfügbar sein dürften.

Zudem bricht das Lügengebäude der Filmindustrie schon dann zusammen, wenn sie mal wieder ihre Geschäftzahlen veröffentlichen, in denen in den letzten Jahren immer wieder Rekordumsätze zu erkennen waren. Dabei hätte es doch so dermaßen bergab gehen müssen wenn man sich die Klagelieder der Lobbyisten anhört.

Jemand der sich einen Film in Kino ansehen will, der tut das auch, sofern er oder sie es sich leisten kann bzw. die Zeit dazu findet. Die Kopie aus dem Netz ziehen sich nur diejenigen rein, die sich von dem Film einen Eindruck verschaffen wollen, ob er überhaupt was taugt und ob es sich denn lohnt, sich den Film später auf DVD zu holen. Womit wir auch schon bei der Verkaufszahlen der DVDs wären, die trotz der inzwischen großflächigen Verbreitung von DVD-Brennern, preiswerten Rohlingen und kinderleicht zu bedienenden DVD-Kopierprogrammen ständig neue Rekordwerte erreichen. Zu diesen hier entlarvten Lügen kommen dann noch die Halbwahrheiten bei den Videothekenumsätzen hinzu. Da wird frech behauptet, daß die Umsätze wegen der bösen Raubkopierer einbrechen würden. Ich sehe daß sogar genau umgekehrt, die vermehrt auftretenden DVD-Kopierer sind zu einem Stützpfeiler der Videotheken geworden. Es wird nämlich gern verschwiegen, daß die Umsätze teils sogar gestiegen sind. Bei den VHS-Kassetten sind sie natürlich gefallen, denn wer tut sich in Zeiten von DVD inkl. Dolby Digital 5.1 bzw. DTS unzähliger Untertitel und mehr oder weniger langweiligen Bonusmaterials auf den Silberscheiben noch das altertümliche verrauschte Videoband an? :rolleyes:

Zudem hat das Filmangebot im freien öffentlich rechtlichen und privaten Fernsehen gewaltige Dimensionen angenommen. Dazu kommt dann auch noch der Bezahlsender "Premiere", der den Videotheken wohl am meißten zu schaffen machen dürfte. Beim DVD-Verleih verzeichnen die Videotheken im Gegensatz zu den VHS-Kassetten logischerweise Umsatzsteigerungen. Insgesamt gleichen die Umsatzsteigerungen des DVD-Verleihs die des VHS-Verleihs mehr als aus. Also woher stammen die leichten Einbrüche beim Gesamtumsatz? Ganz einfach: Das Geschäft mit dem Verleih der Schmuddelfilmchen ist massiv eingebrochen.
Letztlich sind die Pornofilmchen i.d.R. nicht viel mehr als Kurzzeitunterhaltung und/oder Triebbefriedigung, aber dazu bedarf es zumeist keiner einstündigen Filmchen. Dafür reicht den meisten das kostenlos im Internet angebotene mehrsekündige bzw. mehrminütige Material vollkommen aus, das man sich fix aus dem Internet runterladen kann.

Und nun zu den Arbeitsplätzen, die angeblich gefährdet sein sollen:

Punkt 1: die Masse des Umsatzes wird wohl mit amerikanischen Produktionen verdient, also sind hier bei der Produktion kaum deutsche Arbeitsplätze betroffen

Punkt 2: Dem deutschen Steuergesetzgeber sei Dank werden Hollywoodproduktionen auch noch vom Steuerzahler subventioniert, weil es Steuervergünstigungen gibt, wenn deutsches geld für die Produktion nach Hollywood fließt. Deshalb dürfte auch klar sein, warum deutsche Kinofilme zumeist von der sehr preiswerten und somit auch meist weniger erfolgreichen Sorte sind. Hochrechnungen haben ergeben, daß Hollywood inzwischen vollständig von deutschen Geldgebern abhängig ist. Würde das deutsche Kapital für die Produktionen nicht mehr fließen, wäre Hollywood am Ende.

der letztlich alles entscheidende Punkt 3: Umsätze und somit Arbeitsplätze verschwinden nicht im Nirvana. Das Geld das die Leute nicht mehr für "ABC" ausgeben wird eben für "XYZ" ausgegeben. Oder verbrennt ihr den 20-Euroschein, wenn ihr euch entschlossen habt, vom geplanten Kauf einer CD vernünftigerweise Abstand zu nehmen? Nee, ihr gebt das Geld für was anderes aus und sicher somit die von diesem Artikel abhängigen Arbeitsplätze bzw. sorgt dort für Neuanstellungen aufgrund der höheren Nachfrage.

So und nun sind wird beim nächsten Thema, der Musikindustrie und dem von ihr beklagten Rückgang bei den Verkaufszahlen:

Wenn man sich den Müll ansieht, der einem heutzutage von der Musikindustrie vorgesetzt wird, fragt man sich natürlich wieso sich die Musikindustrie wundert, das es ihr inzwischen angeblich so schlecht geht. "Deutschland sucht die Superpflaume", "Starverzweifelt gesucht", "Deutsches Stimmchen" und "Popostars", daß ist das Niveau, mit dem wir heutzutage angelockt werden sollen. Das dumme ist nur, daß wir besseres bewohnt sind und das wir auch nicht mehr bereit sind, uns für diesen dämlichen Scheiß abzocken und verarschen zu lassen. Da zahl man für aktuelle CDs bei amazon inzwsichen 13,99 Euro, daß sind knapp 28,- DM. Im Laden um die Ecke sind dann meist schon 15 Euro oder kanpp drüber und daß bedeutet 30,00 DM für eine einzige CD. War anfänglich der höhere Preis für CDS gegenüber Schallplatte und Co. wegen der höheren Produktionskosten höher, so ists heute anders rum. Eigentlich hätten die CDs also nach und nach preiswerter werden müssen. Aber das Gegenteil ist der Fall.

Und als ob das noch nicht reichen würde, wurden wir durch die Einführung der Kapierschutzmechanismen (denn mit echten Kopierschutzmechanismen hat das meist nichts zu tun) und den dafür von Lobbyisten produzierten neuen Gesetzestexten, die uns praktisch entrechten zu Schwerverbrecher abgestempelt. Und solche Typen sollen wir auch noch unterstützen.

Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind hat das recht auf die Anfertigung von Privatkopien.

Da haben wir nun Gesetze, die sich gegenseitig widersprechen. Bis heute ist nicht wirklich entschieden, welche Gesetze entscheidend sind und welche nicht, daß eine Gericht sagt so, das nächste wieder was anderes. Welches Recht nun tatsächlich höher wiegt, also das bisherige verbraucherfreundliche oder die neuen Lobbyistenfreundlichen Gesetze zur Entrechtung der Verbraucher, daß wird die Zeit zeigen. Die Politik(er) sind offenbar nicht mehr willens, sich für ihre Bürger einzusetzen, also müssen wir selber handeln.

Das einizge Mittel mit dem wir hier kämpfen können und auch müssen ist der Kaufboykott kapierschutzversehener CDs, DVDs etc. den Medienkonzernen ist anders nicht beizukommen. Wir haben es selber in der Hand, unser Recht einzufordern oder den Medienkonzernen das Hackebeilchen in die Hand zu drücken (Kauf ihrer Produkte), damit sie uns schlachten können (überzogene Preise und anschließend von ihren Anwälten verklagt werden).

OK, ich bin hier irgendwie von Kuchenbacken auf Arschbacken gekommen, aber daß hängt irgendwie auch alles zusammen und irgendwie wollte ich einfach mal meinen Senf dazu geben.
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coepenicker

Re: Anti-Raubkopiererfilm im Kino und so weiter...

Beitragvon coepenicker » Mo 13. Sep 2004, 17:14

Frosty hat geschrieben:Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind hat das recht auf die Anfertigung von Privatkopien.

Da haben wir nun Gesetze, die sich gegenseitig widersprechen. Bis heute ist nicht wirklich entschieden, welche Gesetze entscheidend sind und welche nicht, daß eine Gericht sagt so, das nächste wieder was anderes. Welches Recht nun tatsächlich höher wiegt, also das bisherige verbraucherfreundliche oder die neuen Lobbyistenfreundlichen Gesetze zur Entrechtung der Verbraucher, daß wird die Zeit zeigen. Die Politik(er) sind offenbar nicht mehr willens, sich für ihre Bürger einzusetzen, also müssen wir selber handeln.


Hat dich vielleicht auch dieser Artikel inspiriert: Neuer Entwurf zum Urheberrecht weiter unter Beschuss?

Da gehts auch um die Gesetze für und wider Privatkopie, DRM etc.

"Auch aus dem Parlament, das sich erst nach der Vorlage eines Kabinettsentwurfs voraussichtlich Anfang 2005 mit dem "Zweiten Korb" der Urheberrechtsreform beschäftigen wird... Ein Konsens liegt demnach in weiter Ferne. "Die Durchsetzbarkeit der digitalen Privatkopie -- gerade beim Vorhandensein von Kopierschutzmaßnahmen -- muss auf breiter Basis möglich und erlaubt sein", fordern etwa Grietje Bettin, medienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, und ihr für die Rechtspolitik zuständiger Kollege, Jerzy Montag.
Der CDU-Urheberrechtsexperte Günter Krings macht sich dagegen für das komplette Aus für die digitale Privatkopie stark. Er vermisst ferner ein klares "Bekenntnis" der Bundesregierung zu einem "Auskunftsanspruch der Rechteinhaber gegen den Internetprovider". Andernfalls handle es sich beim geplanten Kopierverbot aus Tauschbörsen nur um eine "symbolische Gesetzgebung", da dieses Musikunternehmen oder Filmproduzenten "mangels Information niemals vor einem Zivilgericht durchsetzen" könnten."


Solche offenen Bekenntnisse für oder wider Bürger- bzw. Großkonzernfreundlicher Gesetze sollte bei der Abstimmung auf einem Wahlzettel Berücksichtigung finden.

coepenicker

Re: Anti-Raubkopiererfilm im Kino und so weiter...

Beitragvon coepenicker » Di 14. Sep 2004, 20:03

coepenicker hat geschrieben:Solche offenen Bekenntnisse für oder wider Bürger- bzw. Großkonzernfreundlicher Gesetze sollte bei der Abstimmung auf einem Wahlzettel Berücksichtigung finden.


Dazu ebenfalls auf heise.de gefunden:

Die Rechteinhaber hoffen derweil auf eine Intervention des Bundeskanzlers im Streit um die Urheberrechtsreform. So unterbreiteten heute Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände und zahlreiche andere Vertreter der Musikwirtschaft Gerhard Schröder ihre Ansichten zum "Zweiten Korb" der Gesetzgebung in Berlin bei einem Besuch des Labels Universal Music. Laut Gebhardt habe dabei der Kanzler genauso wie Zypries einem rechtlichen "Anspruch" auf die Privatkopie eine deutliche Absage erteilt.

Alexia

Re: Anti-Raubkopiererfilm im Kino und so weiter...

Beitragvon Alexia » Mi 15. Sep 2004, 19:01

coepenicker hat geschrieben:Solche offenen Bekenntnisse für oder wider Bürger- bzw. Großkonzernfreundlicher Gesetze sollte bei der Abstimmung auf einem Wahlzettel Berücksichtigung finden.
Ja wen kann man denn dann noch wählen?

CDU : definitiv nicht
SPD: offenbar auch nicht
Grüne: theoretisch ja, praktisch nicht, weil sie von der SPD ignoriert werden
FDP: keine Ahnung, höchstwahrscheinlich aber auch nicht
PDS: auf diese Parolenschreier hört eh keiner
die Rechten: dieses braune Nazipack mit seinen noch dämlicheren und eindeutig zweideutigen Rattenfängerparolen kann man nicht wählen wenn man auch nur halbwegs bei klarem Verstand ist
alle Anderen: haben eh nichts zu sagen

Also wen wählen??? :hae:

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Re: Anti-Raubkopiererfilm im Kino und so weiter...

Beitragvon Frosty » Do 16. Sep 2004, 10:32

coepenicker hat geschrieben:Hat dich vielleicht auch dieser Artikel inspiriert: Neuer Entwurf zum Urheberrecht weiter unter Beschuss
Nee, der wars nicht. Es war der besagte Kinobesuch. :)
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Verbraucherschützer kritisieren Urheberrechts-Novelle

Beitragvon Frosty » Mo 29. Nov 2004, 13:06

Verbraucherschützer kritisieren Urheberrechts-Novelle

Kurz bevor die Bundesregierung wohl noch Mitte Dezember über das neue Urheberrecht entscheiden soll, schießen Verbraucherschützer massiv gegen den jüngst vorgelegten Entwurf von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Kritisiert wird vor allem die "faktische Abschaffung" der Privatkopie von CD und DVD.

Hamburg - "Die Entscheidung, ob der Käufer eine Sicherungskopie einer Musik-CD oder DVD machen darf, wird künftig allein der Industrie überlassen", wettert Patrick von Braunmühl, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen und verantwortlich für Wirtschaftsfragen, im SPIEGEL. Die Regierung habe angekündigt, mit dem vor kurzem vorgelegten zweiten Teil des neuen Urheberrechts die Belange der Nutzer zu berücksichtigen.

"Die Rechte des Verbrauchers werden durch den zweiten Teil nochmals deutlich verschlechtert", schimpft Braunmühl gegen das seiner Meinung nach "verklausulierte Paragrafenwerk", in dem "der Nutzer vergeblich nach einer Verbesserung seiner Position sucht". Der Gesetzesvorschlag bekräftigt vielmehr, dass nur kopiert werden darf, wenn die CD oder DVD keinen Kopierschutz hat. Zudem sei das Herunterladen von Musik, Filmen und anderen Dateien aus dem Internet nur dann erlaubt, wenn die Ware dort legal angeboten werde. "Wie der Nutzer beurteilen soll, welche Angebote offensichtlich rechtswidrig sind, bleibt schleierhaft", so der Verbraucherschützer.

Justizministerin Zypries (SPD) hatte bei der Vorstellung ihres Entwurfs betont, es gebe kein Recht auf private Kopien.

Quelle: Spiegel.de


Wie Alexia schon feststellte, ist die SPD auch in diesem Punkt nicht wählbar. :( Warum fusioniert die SPD eigentlich nicht mit der CDU/CSU? Dann wüßte jeder woran er oder sie ist. Dann haben wir wieder eine große deutsche Einheitspartei. Ähnlich unfähig und ungleich korrupter als die SED.
René Frost
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