Literatur: Gedichte

Sonstiges - Spiele - Spaß - Plaudereien
coepenicker

Literatur: Gedichte

Beitragvon coepenicker » Mi 24. Dez 2003, 12:05

Weils grad so schön paßt: :2face:

Christkind

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen,
ich hab's überfahren, es war ein Versehn',
ich hatte gerade die Äuglein zu,
ich träumte beim Fahren in himmlischer Ruh'.
Das Christkindl hat in dieser heiligen Nacht,
Bekanntschaft mit meinem Kühler gemacht.

Später sah ich auch noch den Weihnachtsmann,
er feuerte gerad' seine Rentiere an,
ich überholte den langsamen Wicht,
doch sah ich den Gegenverkehr dabei nicht.
Ich wich noch aus, doch leider nicht Santa,
ein kurzes Rumsen und er klebte am Manta!

Am Ende sah ich auch Nikolaus,
er stürmte gerad' aus dem Freudenhaus,
er kam ganz hektisch über die Kreuzung gelaufen,
wollte am Automaten neue Präser sich kaufen,
mein Auto und mich hatt er wohl nich' gesehn',
jedenfalls blieben nur seine Stiefel stehen.

So ist die Moral von dem Gedicht,
fahr zu schnell Dein Auto nicht!
Denn als ich Zuhaus war, da musste ich heulen,
mein schöner Wagen, der hatte drei Beulen
Vom Nikolaus, vom Christkind und vom Santa Claus,
tja, nächstes Jahr Weihnachten, das fällt dann wohl aus!

Frosty
Administrator
Beiträge: 1039
Registriert: Sa 29. Nov 2003, 22:23
Wohnort: Berlin-Köpenick
Kontaktdaten:

Beitragvon Frosty » Fr 26. Dez 2003, 02:02

Auch ein Weihnachtsmann lebt nicht ungefährlich. ;)

[center]Blumen-Sprache

Es ist von alters her geblieben,
daß alle Frauen Blumen lieben!
Sie schmücken damit gern ihr Heim
und nennen oft sie auch im Reim:
So wünschen sie sich "Rote Rosen",
wenn sie mal gerne mit ihm kosen.
Und sollt die Liebe niemals welken.
dann wünschen sie sich "Bunte Nelken".
Ist's ihnen dann einmal nach küssen,
dann rufen gern sie nach "Narzissen".
Läßt man sie warten gar ein Weilchen
freu'n sie sich auf 'nen Strauß von "Veilchen"!

Doch hast Du dann mal - zielgerichtet
'nen weit'ren Blumenreim gedichtet
Und bringst ihr einen Strauß von "Wicken"
dann sagen sie: Drauf reimt sich: "Schlafen"

Drum seid Ihr Männer echt gewarnt,
Wie bunt auch immer Ihr es tarnt:
Frauen und Blumen versteht Ihr nicht!
Das ist das Ende vom Gedicht!!!


(Willy Meurer, Toronto)[/center]
René Frost
forum.koepenick.net - Betreiber

Alexia

Beitragvon Alexia » Fr 26. Dez 2003, 11:34

Hund und Katze

Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Haßten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt, wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm.
Der Herr Förster schoß sie nieder.
Ihre Lebenszeit ist um.

Oh, wie jämmerlich miauen
Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,
Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurz entschlossen
Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.

Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit.
Selbst in Brehms Naturgeschichte
Findet sich Barmherzigkeit.


Wilhelm Busch

Alexia

Beitragvon Alexia » Sa 27. Dez 2003, 03:45

Der Spatz

Ich bin ein armer Schreiber nur,
Hab' weder Haus noch Acker,
Doch freut mich jede Kreatur,
Sogar der Spatz, der Racker.

Er baut von Federn, Haar und Stroh
Sein Nest geschwind und flüchtig,
Er denkt, die Sache geht schon so,
Die Schönheit ist nicht wichtig.

Wenn man den Hühnern Futter streut,
Gleich mengt er sich dazwischen,
Um schlau und voller Rührigkeit
Sein Körnlein zu erwischen.

Maikäfer liebt er ungemein,
Er weiß sie zu behandeln;
Er hackt die Flügel, zwackt das Bein
Und knackt sie auf wie Mandeln.

Im Kirschenbaum frißt er verschmitzt
Das Fleisch der Beeren gerne;
Dann hat, wer diesen Baum besitzt,
Nachher die schönsten Kerne.

Es fällt ein Schuß. Der Spatz entfleucht
Und ordnet sein Gefieder.
Für heute bleibt er weg vielleicht,
Doch morgen kommt er wieder.

Und ist es Winterzeit und hat's
Geschneit auf alle Dächer,
Verhungern tut kein rechter Spatz,
Er kennt im Dach die Löcher.

Ich rief: »Spatz, komm, ich füttre dich!«
Er faßt mich scharf ins Auge.
Er scheint zu glauben, daß auch ich
Im Grunde nicht viel tauge.


Wilhelm Busch

coepenicker

Beitragvon coepenicker » Sa 27. Dez 2003, 18:41

Schlaflos

Aus Träumen in Ängsten bin ich erwacht;
Was singt doch die Lerche so tief in der Nacht!

Der Tag ist gegangen, der Morgen ist fern,
Aufs Kissen hernieder scheinen die Stern'.

Und immer hör ich den Lerchengesang;
O Stimme des Tages, mein Herz ist bang.


(Theodor Storm)

Frosty
Administrator
Beiträge: 1039
Registriert: Sa 29. Nov 2003, 22:23
Wohnort: Berlin-Köpenick
Kontaktdaten:

Beitragvon Frosty » So 28. Dez 2003, 03:03

[center]Mir ist es, denk' ich nur an dich,
Als in den Mond zu sehn;
Ein stiller Friede kommt auf mich
Weiß nicht, wie mir geschehn.


(Johann Wolfgang von Goethe)[/center]
René Frost
forum.koepenick.net - Betreiber

Alexia

Beitragvon Alexia » So 28. Dez 2003, 04:31

Bewaffneter Friede

Ganz unverhofft an einem Hügel
sind sich begegnet Fuchs und Igel.
Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät,
geh her und übergib dein Fell,
Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Laß dir erst deine Zähne brechen,
dann wollen wir uns weiter sprechen!
Und allsogleich macht er sich rund,
schließt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
bewaffnet, doch als Friedensheld.

Wilhelm Busch
Zuletzt geändert von Alexia am Fr 16. Jan 2004, 03:35, insgesamt 1-mal geändert.

Alexia

Beitragvon Alexia » Di 30. Dez 2003, 04:51

Sie war ein Blümlein

Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing.

Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
Und nascht und säuselt da herum.
Oft kroch ein Käfer kribbelkrab
Am hübschen Blümlein auf und ab.

Ach Gott, wie das dem Schmetterling
So schmerzlich durch die Seele ging.

Doch was am meisten ihn entsetzt,
Das Allerschlimmste kam zuletzt.
Ein alter Esel fraß die ganze
Von ihm so heißgeliebte Pflanze.

Wilhelm Busch

Alexia

Beitragvon Alexia » Mi 31. Dez 2003, 07:15

[center]Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Wilhelm Busch[/center]

Alexia

Beitragvon Alexia » Sa 3. Jan 2004, 03:36

[center]Liebesgedicht

Süßer,

Du bist in meinem lila die Pause,

Du bist das Pulver in meiner Brause,

Du bist das Bärchen in meinem Gummi,

Du bist das Saure in meinem Flummi,

Du bist der Tic in meinem Tac,

Du bist das Kit in meinem Kat,

Du bist das M in meinen Ms,

You are the Friend in my Fishermans.

Du bist das Hari in meinem Bo,

Du bist das Küßchen im Ferrero,

Du bist in meinem Sport der Ritter,

Du bist in meinem Nes noch quicker,

Du bist das Sprüngli in meinem Lindt,

Du bist die Überraschung in meinem Kind,

Du bist in meinem Puff der Reis,

und in meinem Gletscher das Eis.

Du bist der Spear von meinen Mints,

Du bist die Rolle von meinem Prinz,

Du bist der Flutsch an meinem Finger,

Du bist die Schoko an meinem Ingwer,

Du bist die Zunge in meinen Katzen,

Du bist der Bär in meinen Tatzen,

Du bist der Apfel in meinen Taschen,

Ich muß Dich jetzt sofort vernaschen. :bussi:

unbekannt[/center]

Alexia

Beitragvon Alexia » Mi 7. Jan 2004, 02:54

[center]Selbstkritik

Die Selbstkritik hat viel für sich,

gesetzt den Fall ich tadle mich.

So hab ich erstens den Gewinn,

das ich so hübsch bescheiden bin.

Zu zweiten denken sich die Leute,

der Mann ist lauter Redlichkeit.

Auch schnapp ich drittens diesen Bissen,

vorweg den andern Kritikküssen.

Und viertens hoff ich außerdem,

auf Widerspruch, der mir genehm.

So kommt es denn zuletzt heraus,

dass ich ein ganz famoses Haus.


Wilhelm Busch[/center]

Frosty
Administrator
Beiträge: 1039
Registriert: Sa 29. Nov 2003, 22:23
Wohnort: Berlin-Köpenick
Kontaktdaten:

Beitragvon Frosty » Do 8. Jan 2004, 23:20

[center]Der Lehrer versucht anhand von Bildern,
den Kindern die Natur zu schildern.
Er spricht von Tier- und Pflanzenwelt.
Als zum Schluss die Glocke schellt,
da sagt er zu den kleinen Wichten,
sie sollen morgen ihm berichten,
wie überhaupt der Mensch entsteht.
Das kleine Volk steht auf und geht
und bringt bei der Gelegenheit
die Eltern in Verlegenheit.

Auch Mario ist nach Haus' gekommen,
er hat sich Vater vorgenommen
und ihm die Frage gestellt:
"Wie kommt der Mensch auf diese Welt?"
Dem Vater wird schon bang und bänger,
sein Gesicht wird immer länger.
Doch dann besinnt er sich und lacht:
"Der Mensch, der ist aus Lehm gemacht."

"Au!" denkt Klein-Mario, "das ist famos",
da hol' ich schnell mir einen Kloß
von nebenan von Töpfer Schmidt,
den nehm' ich dann zur Schule mit.
Ich nehm' nicht so 'nen ganz großen
und steck ihn einfach in die Hosen.
Und als dann nun am nächsten Tage
der Lehrer stellt seine Frage,
erhielt er Antwort auch sogleich:
"Der Mensch kommt aus dem Storchenreich".
Nur Mario sitzt ganz still und stumm
und kramt in seiner Hose rum.
Und plötzlich ruft er: "Quatsch mit Soße,
ich hab' das Ding in meiner Hose,
womit die Schöpfung vor sich geht
und wo dann draus der Mensch entsteht.
Von wegen Storch, so seht ihr aus,
wenn ihr's nicht glaubt, ich hol' ihn raus".

Da sagt der Lehrer ganz beflissen:
"Lass ihn nur drin, du scheinst's zu wissen."


(Autor: unbekannt)[/center]
René Frost
forum.koepenick.net - Betreiber

Alexia

Beitragvon Alexia » Fr 9. Jan 2004, 02:57

[center]Es rührt kein Blatt sich, alles schläft und träumt,
Nur jezuweilen knistert's in den Föhren,
Die Nadel fällt, es ruht der Wald.


Scherenberg[/center]

Alexia

Beitragvon Alexia » Sa 10. Jan 2004, 02:49

[center]Im Garten

Die hohen Himbeerwände
Trennten dich und mich,
Doch im Laubwerk unsre Hände
Fanden von selber sich.

Die Hecke konnt' es nicht wehren,
Wie hoch sie immer stund:
Ich reichte dir die Beeren,
Und du reichtest mir deinen Mund.

Ach, schrittest du durch den Garten
Noch einmal im raschen Gang,
Wie gerne wollt' ich warten,
Warten stundenlang.


Theodor Fontane[/center]

Alexia

Beitragvon Alexia » So 11. Jan 2004, 03:16

[center]Glatt ist der See, stumm liegt die Flut,
So still, als ob sie schliefe,
Der Abend ruht wie dunkles Blut
Rings auf der finstern Tiefe;
Die Binsen im Kreise nur leise
Flüstern verstohlenerweise.


Schnezler[/center]


Zurück zu „Freie Diskussionen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast