Literatur: Gedichte

Sonstiges - Spiele - Spaß - Plaudereien
Gast

Alles Gute kommt von oben

Beitragvon Gast » Fr 7. Mai 2004, 11:05

Alles Gute kommt von oben
Jakob auf der Himmelsleiter
stand erstarrt -- er kam nicht weiter
und so blickte er verdrossen
auf die vielen, vielen Sprossen,
die noch vor ihm auf der Tour.
Jakob denkt: "wie schaff ich´s nur
auch noch diese zu erklimmen?"
Schon begann er zu ergrimmen.
Da sprach jemand ganz von oben:
"Jakob, he, ich muss dich loben.
Welch ein Stück hast du geschafft!
Dies sogar aus eigner Kraft.
Steige weiter bis zur Spitze!
Dich bewahrt vor Sturz und Hitze
ich, dein Gott, der stets dir nah,
alles weiß, was ja geschah
und auch, was die Zukunft bringt.
Gerade dem, der ehrlich ringt.
Ich stütze dich und helfe dir
sei getrost, komm rauf zu mir!
Halte durch und steige weiter
auf der langen Lebensleiter!
Nicht nach unten geh dein Blick,
nichts mehr zieht dich dann zurück.
Ein Engel soll am Zopf dich krallen,
wenn du schwach wirst und willst fallen!
Verlass dich nicht zu sehr auf dich,
gib die Hand und halte mich.
Gleich hast du dein Ziel geschafft,
ich verleih dir neue Kraft,
denn ich möcht´ dich hören loben
deinen Schöpfer, wenn du oben!
Ruth :anbet:

Gast

Gast

Beitragvon Gast » Fr 7. Mai 2004, 11:11

Heiße ich jetzt Gast

Schmunzelnd
Laura :wall:

Laura

Du musst das Leben nicht verstehen

Beitragvon Laura » Fr 7. Mai 2004, 11:16

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Rainer Maria Rilke :zustimm:

Gast

Ode an das Leben

Beitragvon Gast » Fr 7. Mai 2004, 15:30

Ode an das Leben

Bald werd´ ich wieder Höhen springen
und trillernd Lebensoden singen,

die Erde rundherum bereisen
und ab und an auch mal entgleisen!

Bald werd´ ich wieder schillernd lachen
und all die vielen Dinge machen:

Lebenslust in vollen Zügen,
die brachen Felder wieder pflügen!

Bald werd´ ich wieder Kultur genießen,
mich tummeln auf bunten Blumenwiesen,

mich in der lieben Sonne baden,
mich an dem Himmelsblau belaben!

Bald werd´ ich wieder mich bewegen
durch den warmen Sommerregen,

mit Dir des Nachbars Pferde stehlen,
ganz laut vor Freude rumkrakeelen!

Bald werd´ ich wieder göttlich speisen,
so manchen Eichenbaum rausreißen

zuvor noch unter dessen Trieben
dich endlos lieben, lieben, lieben!

Bald werd´ ich wieder tanzen Reigen,
wie Phoenix aus der Asche steigen,

die Welt mit meinem Temperament
neu erobern, vehement!

Bald werd´ ich wieder Räder drehen
und tiefer in die Gläser sehen

susanne am 15. Juli 2002


:cool:

Gast

Erblickst das Licht der Welt

Beitragvon Gast » Fr 7. Mai 2004, 15:37

Erblickst das Licht der Welt
..... und entzückst.
Wirst geherzt, gedrückt,
und dann in Form gepresst,
damit du keine Federn lässt,
nicht auf die Nase fällst.

Sagen sie ...

Dies Spielchen spielst du mit
..... oft jahrelang.
Gewöhnst dich dran.
So hübsch genormt, bequem,
ist ja auch fast angenehm
- in Reih' und Glied.

Glaubst du ...

Dann kommst du ins Grübeln
..... so nebenbei.
Entdeckst dich neu.
So bist du also auch ..... so
böse und frech und froh.
Kleiner Teufel mit Flügeln.

Find ich ...


Birgit Enser : :argh:

Gast

Aus den Farben

Beitragvon Gast » Sa 8. Mai 2004, 04:10

Aus den Farben
meiner Träume
hab ich mir
spinnwebenzart
eine Brücke
gebaut
und kann es
kaum glauben
dass sie mich
über den Abgrund
trägt

Hilde Heyduck-Huth
:zustimm:

Laura

Beitragvon Laura » Mo 10. Mai 2004, 05:17

Warum, ein Wort das jeder braucht
und mancher nur ganz leise haucht.
Mancher schreit es laut hinaus,
und mancher macht sich gar nichts draus.
Als Kind schon wird man oft gefragt,
warum hast du jetzt nein gesagt?
Warum bist du heute gar nicht lieb?
Warum ist wie ein feines Sieb!
Warum nicht nur zur Kinderzeit,
Warum ist jederzeit bereit.
Versteht man eine Frage nicht,
prallt das Warum? Dir ins Gesicht.
Die Jugendzeit ist oft zu dumm,
man fragt sich viel zu oft warum?
Warum? fragt sich der junge Mann,
Warum? schaut sie mich gar nicht an,
Warum? heißt es im Arbeitsleben,
warum ging dieser Griff daneben?
Warum ? Hört man tagein, tagaus,
nicht nur daheim, in jedem Haus.
Warum, tut unsre Welt sich drehn?
Warum bleibt sie denn niemals stehn?
Warum? Ich werd es nie verstehn.
Und ist’s mal Zeit, frag nie warum?
Sieh dich nur einmal noch nach hinten um
und stellt sich dann für dich die Frage, Warum
Schau nach vorn und denk an bessre Tage.
Ich frage mich so oft warum?
Die klugen Münder blieben stumm.
Die richtige Antwort bekam ich nie.
Warum?


:mad:

Laura

Das Märchen vom Storch

Beitragvon Laura » Di 11. Mai 2004, 19:12

Das Märchen vom Storch :argh:


Tret’ ich neulich im Dämmerschein
Ganz leis’ ins Kinderzimmer ein.
Hab schnell mir ein Lauschereckchen ausgewählt,
Wollt’ hören, was sich mein Pärchen erzählt.
Und wie ich stehe und wie horch,
da richtig - da kommt die Geschichte vom Storch.
„Mein Liesel“, spricht Hans mit viel Bedacht,
„Der Storch hat uns beide nicht gemacht,
der hat sich gar nicht um uns gequält,
Mama hat mir’s neulich selber erzählt.
Das mit dem Storch sind alles nur Sagen,
dass er uns in seinem Schnabel getragen.
Und dass er die Mutter ins Bein gebissen?
Na, davon müsste sie doch auch was wissen.
Und das wir vorher lagen im Teich,
‚s ist alles nicht wahr, ich dacht’s mir gleich.-
In Wirklichkeit ist es viel schöner, du,
da liegt so ein Kindlein ganz in Ruh’,
so lang es noch zart ist und winzig klein,
an Mutter’s Herzen, du, das ist fein.
Die Mutter muss das Kindlein hegen,
sie darf sich nur ganz sacht bewegen,
dass sie ihm keinen Schaden tut,
so lang’s an ihrem Herzen ruht.
Allmählich wird das Kindlein groß,
es macht sich von der Mutter los,
sie leidet dabei viele Schmerzen,
es löst sich ja von ihrem Herzen.
Doch schön ist’s, wenn das Kind erst da,
da freut sie sich und schenkt’s Papa.“
Liesel hat schweigen zugehört,
den großen Bruder nicht gestört;
Jetzt hebt sie zu ihm das kleine Gesicht
Und ernsthaft sie die Worte spricht:
„Eins kann ich dabei nicht verstehen,
warum muss das immer der Mutter gescheh’n?
Kann das Kind nicht Vater am Herzen liegen,
können Papas keine Kinder kriegen?“
„Ach nein“, spricht Hans, der kluge Mann,
„Das geht doch ganz und gar nicht an,
sie wären ja sicher dazu bereit,
haben aber zu wenig Zeit!“
„Und dann“, spricht Liesel, und sie lacht:
„Papas bewegen sich nicht so sacht,
ich sah es neulich selbst mit an;
sie springen von der elektrischen Bahn,
laufen hinterher oft ganze Strecken,
da würde das Kindlein sich schön erschrecken,
da ist’s doch besser bei Mama!
Oh, sieh mal Hans, da ist sie ja!“
Und beide hatten mich schon umschlungen,
rechts hab ich das Mädel und links den Jungen;
und als ich mich zu guter Letzt
zu ihnen ins Schlummereckchen gesetzt,
spricht Liesel mit strahlendem Augenpaar:
„Mutti, was Hans sagt, ist das wahr?
Als ich ganz klein gewesen bin,
war ich da bei dir im Herzen drin?“
Fest schmiegt sie sich in meinen Arm hinein,
„Mutti! Wie schön muss das gewesen sein!“
:argh:

(handschriftlich von Frau Ruth Baer)

Laura

Der erste Frühlingshauch

Beitragvon Laura » Mi 12. Mai 2004, 04:05

Der erste Frühlingshauch

in unserem Haselnussstrauch.

Haselnusskätzchen

Da seid ihr, ihr Schätzchen!

Vom Frühlingswind umschmeichelt,

euer Goldstaub die Erde streichelt.

Eure Köpfchen sind helle,

Seidenweich eure Felle.

Ich brauchte im Garten

nicht lang auf euch warten.

by Laura ;)

Alexia

Beitragvon Alexia » Mi 12. Mai 2004, 10:43

Der Morgen, das ist meine Freude

Der Morgen, das ist meine Freude,
Da steige ich in stiller Stund?
Auf den höchsten Berg in die Weite:
Grüß dich, Deutschland, aus Herzensgrund!
Die früheste Stunde am Morgen
Ist größer als Lust und Schmerz.
Werft von euch Kummer und Sorgen,
Schenkt dem Tage ein fröhlich Herz.

Joseph v. Eichendorff

Laura

Frühlingsnacht

Beitragvon Laura » Mi 12. Mai 2004, 16:06

Frühlingsnacht

Übern Garten durch die Lüfte
Hört' ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängt's schon an zu blüh'n.

Jauchzen möcht' ich, möchte weinen,
Ist mir's doch, als könnt's nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagen's,
Und in Träumen rauscht's der Hain,
Und die Nachtigallen schlagen's:
Sie ist deine, sie ist dein!
Joseph von Eichendorff
:D

Laura

Glück

Beitragvon Laura » Do 13. Mai 2004, 06:54

Glück

Glück ist gar nicht mal so selten,
Glück wird überall beschert,
vieles kann als Glück uns gelten,
was das Leben uns so lehrt.

Glück ist jeder neue Morgen,
Glück ist bunte Blumenpracht
Glück sind Tage ohne Sorgen,
Glück ist, wenn man fröhlich lacht.

Glück ist Regen, wenn es heiß ist,
Glück ist Sonne nach dem Guß,
Glück ist, wenn ein Kind ein Eis ißt,
Glück ist auch ein lieber Gruß.

Glück ist Wärme, wenn es kalt ist,
Glück ist weißer Meeresstrand,
Glück ist Ruhe, die im Wald ist,
Glück ist eines Freundes Hand.

Glück ist eine stille Stunde,
Glück ist auch ein gutes Buch,
Glück ist Spaß in froher Runde,
Glück ist freundlicher Besuch.

Glück ist niemals ortsgebunden,
Glück kennt keine Jahreszeit,
Glück hat immer der gefunden,
der sich seines Lebens freut.
Clemens von Brentano :rolleyes:

Laura

Een Boot is noch buten

Beitragvon Laura » Do 13. Mai 2004, 16:15

Een Boot is noch buten!
»Ahoi! Klas Nielsen und Peter Jehann!
Kiekt nach, ob wi noch nich to Mus sind!
Ji hewt doch gesehn den Klabautermann?
Gottlob, dat wi wedder to Hus sind!«
Die Fischer riefen's und stießen ans Land
und zogen die Kiele bis hoch auf den Strand,
dumpf an rollten die Fluten;
Han Jochen aber rechnete nach
und schüttelte finster sein Haupt und sprach:
»Een Boot is noch buten!«
Und ernster keuchte die braune Schar
dem Dorf zu über die Dünen;
schon grüßten von fern mit zerwehtem Haar
die Frau'n an den Gräbern der Hünen.
Und »Korl!« hieß es und »Leiw Marie!«
»'t is doch man schön, dat ji wedder hie!«
Dumpf an rollten die Fluten -
»Un Hinrich, min Hinrich? Wo is denn dee?!«
Und Jochen wies in die brüllende See:
»Een Boot is noch buten!«
Am Ufer dräute der Möwenstein,
drauf stand ein verrufnes Gemäuer,
dort schleppten sie Werg und Strandholz hinein
und gossen Öl in das Feuer.
Das leuchtete weit in die Nacht hinaus
und sollte rufen: O komm nach Haus!
Dumpf an rollten die Fluten -
Hier steht dein Weib in Nacht und Wind
und jammert laut auf und küßt dein Kind:
»Een Boot is noch buten!«
Doch die Nacht verrann, und die See ward still,
und die Sonne schien in die Flammen,
da schluchzte die Ärmste: »As Gott will!«
und bewußtlos brach sie zusammen!
Sie trugen sie heim auf schmalem Brett,
dort liegt sie nun fiebernd im Krankenbett,
und draußen plätschern die Fluten;
dort spielt ihr Kind, ihr »lütting Jehann«,
und lallt wie träumend dann und wann:
»Een Boot is noch buten!« - :yau:

Laura

Man nehme einen Sonnenstrahl

Beitragvon Laura » Mi 19. Mai 2004, 07:51

Rezept für die nächsten 365 Tage -
garantiert kalorienfrei und jederzeit anwendbar

Man nehme einen Sonnenstrahl,
garniert mit einer Mücke
und Flimmerstäubchen ohne Zahl
und teile sie in Stücke.
Dieselben würze man gar fein
mit einem Blatt der Rose
und rühre Sonnenluft hinein
zu einer warmen Soße.
Dann noch ein Eckchen Himmelblau,
den Hauch von Schwalbenschwingen,
mit einem Tröpfchen Morgentau
gemischt zum Wallen bringen.
Dies alles kann man, wenn man mag,
in bunte Gläser stecken,
um es für einen dunklen Tag
im Winter einzuwecken!

:rolleyes:

Laura

Rastlos

Beitragvon Laura » Mi 19. Mai 2004, 19:23

Rastlos

Ich gehe in den Garten zu den Grillen.
Der große Mond ist da. Sternvogelflaum.
Ich schwing mich auf die Schaukel,
und im Schwunge
Häng ich den Mond in unsern Apfelbaum.
Da zwing ich ihn, für mich zu hüpfen,
Ich schaukle mich und schau ihm zu.
Ich bin sehr groß. Ich lass ihn hüpfen.
Für zwei Minuten hab ich Ruh.

(Eva Strittmatter)
:lol:


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